Die Feinkostkette "Eataly" in der Münchner Schrannenhalle

Land: Deutschland
Architekten: Carlo Piglione
Fertigstellung: 2015

Das Auge isst mit beim Münchner Flagshipstore von Eataly. Und daher
schenkte man insbesondere der Beleuchtung viel Aufmerksamkeit. Das
Ziel: man wollte Bella Italia, das italienische Lebensgefühl zum Anfassen,
Begreifen und Schwelgen, mit Licht visualisieren und unterstützen. Wie
aber gelingt das? Wie kommt das besondere Eataly-Konzept aus
Markthalle, Restaurants und Kochschule zum Leuchten? Und wie setzt
man Äpfel in Szene und wie einen Teller Pasta? Carlotta De Bevilacqua,
bringt es auf den Punkt: »Es geht um die jeweils richtige Atmosphäre,
eine etwa, die es angenehm macht, am Tisch zu verweilen«, sagt
Signora De Bevilacqua, Vice President von Artemide. »Ein Licht, das
zur Geselligkeit einlädt oder intimere Räumlichkeiten schafft und den
verschiedenen Umgebungen angepasst ist.« Darum geht es bei insgesamt
5630 m2 Gastro- und Verkaufsfläche – die richtige Leuchte und
das richtige Konzept an jedem Ort. Unser Auge ist schließlich Experte
in Sachen Licht und Frische. Auf einen Blick sehen wir, ob wir dieses
Stück Lende wollen – oder doch lieber das Filet daneben. Wir sehen, ob
die Feige reif und verlockend ist – oder eben doch noch nicht. Wir scannen
Oberflächen in Sekundenbruchteilen. Experten wissen, dass erst
das richtige Licht die Eigenschaften von Lebensmitteln hervorbringt.

Geniessen im richtigen Licht
Beim Gang durch die Halle wird einem schnell klar, hier »saugen« die
Besucher regelrecht die italienische Lebenskultur auf – zwischen
gezielt ausgeleuchteten Marktständen, punktgenau illuminierten
Einkaufsregalen und warmfarbenen Restaurants. Ein Paar tunkt knuspriges
Weißbrot in Olivenöl, Extra Vergine natürlich, während der Kellner
kleine Köstlichkeiten auftischt: Bocconcini, Salami von der Salumeria
DHO, La Gradisca, mariniertes Rindfleisch, und Previdi, Piemonteser
Steinpilze in Olivenöl. Über ihren Köpfen schwebt ein halbes Dutzend
der Pendelleuchten »Eggboard«. Ihre Low-Power-LEDs mit rotationssymmetrischen Reflektoren sorgen für angenehmes Licht auf den
Tischen, während die äußere Textur aus nachhaltig recyceltem Polyester
Schall schluckt und die Halle mit viel Glas und Eisenstützen auch akustisch zu einem angenehmen Ort macht. Zum Raumkomfort gehört neben einer guten Beleuchtung auch die entsprechende Akustik. Im Marktbereich wurden »Picto-Spots« ausgewählt, die aufgrund ihrer sehr guten Farbwiedergabe die Produkte schmackhaft präsentieren.
Dazu schweben Pendelleuchten »Nur« über den Köpfen der Besucher
und erhellen den großen Raum. Sie folgen einer genau geplanten Choreografie. Leuchten vom Typ »Nur 1618« sorgen für eine großflächige
und gleichmäßige Ausleuchtung, während eine Reihe von »Nur-Mini«-
Leuchten die langen Auslagen der Restaurants und ihre Spezialitäten
herausstellt.

Choreografie der Leuchten
Räumlich gestaffelte »Mouette«-Pendelleuchten übernehmen im Gastrobereich die Regie. Sie leuchten sowohl den Zentralbereich aus wie das für Events reservierte Obergeschoss. Gegenüber lockt das Speiselokal Adriatico von Lucio Pompilli, das gewissermaßen auch die Handwerkskunst venezianischer Glasmacher feiert. Passend dazu sorgen mundgeblasene »Empatia«-Leuchten hier für zarte Licht- und Schatteneffekte.

Artemides Beleuchtungsplaner entwickelten verschiedene Atmosphären
für die tagsüber von natürlichem Licht geflutete Eisen-Glashalle. Sie
begleiten die Besucher zu unterschiedlichen Zeiten und gliedern einzelne
Räume durch gezielte, emotionale Lichteffekte: Eine Choreografie
der Leuchten, genau auf das Ambiente und seine unterschiedlichen
Funktionen abgestimmt. »Wir wollten eine warme und einladende Atmosphäre schaffen, die auch typisch für italienische Räume ist«, erklärt
Carlotta De Bevilacqua. Und genau das passierte. Besucher werden
förmlich hineingesogen in die Halle und treten mit dem Einkaufskorb in
der Hand eine sinnliche Reise durch die Piazza an, die zu frisch gebackenem Brot führt oder zum Shop des Caffè Vergnano, wo die Leuchten »Choose« warmes und behagliches Ambiente verbreiten. Nach einem Cappuccino und Croissant am Tresen der Illy Gran Bar geht es kurz ins Untergeschoss, wo es nicht nur süße Köstlichkeiten gibt, sondern auch
eine wunderbar sortierte Enoteca & Birroteca. .

Schon auf der ausladenden Freitreppe sorgen die in Orange-Tönen
gehaltenen »Tagora«-Deckenleuchten für angenehme Helligkeit
und verbreiten geradezu heitere Atmosphäre. Sie sind zu Schwärmen
zusammengefasst und in verschiedenen Größen verbaut – als
abwechslungsreiche Deckenlandschaft unterschiedlicher Formen und
Lichtstärken. Im Untergeschoss findet sich schließlich die dritte Säule
des Eataly-Konzepts, neben Markt und Restaurant: die Kochschule.
Unaufdringliche »UGlare«-Deckenleuchten spenden gutes Arbeitslicht.
Sie verbinden hohe Leistung mit geringem Platzbedarf, ideal auch für
kleine Bereiche. Denn auch darum ging es beim Artemide-Konzept:
Stromverbrauch zu reduzieren.

Es ist sicher keine Kleinigkeit, 10.000 Produkte ins rechte Licht zu
setzen, dazu 16 Restaurants und Stände, neun Schauwerkstätten und
einen Eventbereich, doch Artemides Lichtplaner haben die dreidimensionale Vorlage des Architekten Carlo Piglione um eine neue Dimension erweitert, getreu dem »Manifest der Harmonie« von Eataly: »Unser wirkliches Ziel ist die Harmonie« – und diese ist ein »Zustand proaktiver Freude.« Dazu muss man nur einen Blick auf die zufriedenen Gesichter der Besucher werfen, die in Italiens nördlichster Stadt ein Stück Bella Italia erleben wollen.


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